In den Niederlanden und Belgien ist bol die erste Anlaufstelle für Onlinekäufe, nicht „ein Marktplatz“. Niederländische und flämische Käufer beginnen ihre Produktsuche dort, so wie deutsche Käufer auf Amazon beginnen. Für eine Marke, die zu Hause bereits verkauft, bietet die Benelux-Region damit Absatzchancen, die sich wie kaum anderswo in Europa auf engem Raum bündeln. Eine Plattform deckt zwei Länder ab, und die Käufer sind es gewohnt, dort alles zu bestellen.
Hier bleiben aber auch viele ausländische Marken hängen, selbst wenn die Nachfrage da ist. Das Problem liegt darin, dass bol auf lokale Erwartungen zugeschnitten ist, die ein Exportteam selten nebenbei abdeckt. Außerdem steht der Zugang für Unternehmen außerhalb der Niederlande und Belgiens nicht offen.
Was der Benelux-Käufer erwartet
Drei Erwartungen entscheiden, ob sich ein Angebot verkauft, und alle drei sind lokal.
- Niederländisch zuerst. Angebote, Produktinformationen, Fragen und Bewertungen laufen auf Niederländisch, für den belgischen Markt zusätzlich auf Französisch. Einem Absatz, der aus einem englischen Datenblatt übersetzt wurde, merkt man das an. Der Käufer sucht dann woanders weiter.
- Schnelle, günstige Lieferung. Das eigene Fulfilment-Netzwerk von bol setzt den Lieferstandard, den der Käufer für selbstverständlich hält. Wer aus dem Ausland versendet, eine ausländische Rücksendeadresse angibt und eine Woche Lieferzeit braucht, verliert den Käufer, bevor überhaupt Preise verglichen werden.
- Lokaler Service und lokale Retouren. Fragen kommen auf Niederländisch, und Rücksendungen müssen vor Ort abgewickelt werden. Langsame Antworten auf Englisch aus einer anderen Zeitzone schlagen sich in Ihren Verkäuferkennzahlen nieder.
Was bol vom Verkäufer verlangt
Hier hält sich im deutschsprachigen Raum eine falsche Angabe: Man brauche eine niederländische oder belgische Gesellschaft oder eine niederländische Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Das stimmt nicht. Laut der eigenen Partnerseite von bol gilt für EU-Unternehmen außerhalb der Niederlande und Belgiens: Eine Registrierung ist ausschließlich über eine einmalige Einladung von bol möglich. Eine offene Anmeldung gibt es nicht.
Liegt die Einladung vor, verlangt bol einen gültigen Handelsregistereintrag im Sitzland (deutsche Einzelunternehmen werden ausdrücklich nicht unterstützt) und eine USt-IdNr. des Sitzlandes, die dem Unternehmen gehört. Ebenfalls nötig sind ein NACE-Code aus dem Bereich E-Commerce, Angaben zu den wirtschaftlich Berechtigten, ein gültiges Ausweisdokument der vertretungsberechtigten Person, ein SEPA-Zahlungskonto auf den Firmennamen und der Nachweis einer Online-Präsenz. Unternehmen mit Sitz außerhalb der EU werden gesondert und einzeln geprüft.
Eine niederländische Gründung ist also nicht nötig, aber es gibt auch keine Tür, durch die man einfach hineingeht. Dazu kommen die operativen Grundlagen: niederländischsprachige Inhalte, lokal abgewickelte Retouren und saubere EANs. Und der Versandweg muss den Vorgaben von bol entsprechen: eigener Versand oder der Fulfilment-Service von bol.
Die drei Wege zu bol
1. Eigenes bol-Konto
Der Weg mit voller Kontrolle und der ganzen Arbeit, die dazugehört. Sie verantworten den Zugang samt Einladung und Registrierung, die niederländischsprachigen Inhalte und den Service, den Retourenweg und das Fulfilment-Setup. Richtig ist er, wenn die Benelux-Region strategisch wichtig genug ist, um dafür ausreichend Personal einzuplanen. Das heißt: ein echter niederländischsprachiger Betrieb, keine Nebenaufgabe des Exportleiters. Wenn Sie speziell aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz starten, geht der Ratgeber Auf bol verkaufen als deutsche Marke tiefer auf diese Entscheidung ein.
2. Verkauf an einen Distributor
Auf dem Papier der einfachste Weg: Paletten verkaufen, den Rest andere machen lassen. Die Kosten zeigen sich später. Sie geben Preisgestaltung, Darstellung, Kundendaten und häufig die Zukunft der Marke auf der Plattform ab, weil ein Distributor für seine eigene Marge arbeitet und nicht für Ihre Marke. Für reines Volumen ist das vertretbar, für eine Marke, die Sie aufbauen wollen, aber teuer.
3. Ein Partner, der für Sie verkauft
Nach diesem Modell arbeiten wir bei K6. Ihre Ware geht in unser Lager und bleibt Ihr Eigentum. Wir verkaufen über unsere eigenen bol-Konten nach einem gemeinsam vereinbarten Plan, der die niederländischen Inhalte, das Fulfilment, den Service, die Retouren und die Werbung abdeckt. Ein einziger niederländischer Partner zahlt Ihnen den Nettobetrag aus. K6 verwaltet die Verkäuferkonten, und die Markendarstellung bedarf weiterhin Ihrer Freigabe. Steuer-, Einfuhr- und Produktverantwortlichkeiten werden für den konkreten Warenweg vereinbart. Wie derselbe Aufbau für die übrigen europäischen Marktplätze aussieht, steht unter Nach Europa.
Der dritte Weg ist allerdings nicht immer der richtige. Zählt die Benelux-Region für Sie zu den zwei, drei Kernmärkten, in denen Sie Personal, Inhalte und Service ohnehin selbst aufbauen, dann gehört das Konto Ihnen. Ein Partner wäre in diesem Fall eine Zwischenschicht, die Sie später wieder entfernen müssten.
Erst die Nachfrage, dann die Ware
bol belohnt Marken, deren Produkte irgendwo bereits Nachfrage nachgewiesen haben. Verkauft sich ein Produkt zu Hause nicht, wird die Benelux-Region daran nichts ändern. Ein ernsthafter Partner sagt Ihnen das, bevor Ihre Ware eine Grenze überquert. Genau dieses Urteil liefert die Brand Review: kostenlos, schriftlich, innerhalb von fünf Werktagen. Wenn Sie zuerst eine konkrete Frage haben, erreichen Sie uns über Kontakt. Sie bekommen eine Antwort innerhalb eines Werktags.